Buehnenbild_049.jpg DRK/C. Beier

Demenz - Angebote für Betroffene und Angehörige

Ihre Ansprechpartnerin:

Svenja Becker
02154 / 491-661
s.becker@drk-nordrhein.de

Bei Menschen mit Demenz verflüchtigen sich die Gedanken und verwehen wie bunte Blätter im Herbstwind. Dann fällt das Strukturieren des eigenen Tages oder das Kommunizieren mit Mitmenschen immer schwerer.

Mit unserem Projekt "Sozialkoordination", das im Herbst 2015 startete,  möchten wir das  Wohlbefinden von Menschen mit Demenz steigern. Dazu initiieren wir verschiedene Angebote - wie beispielsweise unseren Mittagstisch "Lucullus" oder Vorträge für Angehörige. Zudem bieten wir ehrenamtlich Engagierten viele Möglichkeiten, dementiell erkrankte Bewohnerinnen und Bewohner zu unterstützen. Lesen Sie hier einige Beispiele dazu:

  • Sich regen bringt Segen mit Tai Chi

    "Wer rastet, der rostet" oder "Sich regen bringt Segen."

    Diese Zitate verweisen auf die Relevanz, sich regelmäßig aktiv zu betätigen. Denn Bewegung fördert die Gesundheit, die Fitness sowie die kognitive Leistungsfähigkeit und trägt damit zum Erhalt der Selbstständigkeit im Alter bei.

    Die Mobilität stellt zudem den Königsweg zur Prävention der meisten Risiken dar. So erfolgt mithilfe der Bewegung insbesondere eine Minimierung der Sturzgefahr.

    Aufgrund dessen legt das Seniorenhaus Moosheide Wert auf regelmäßige Bewegungsangebote und bietet seit Oktober letzten Jahres die Aktivität Tai Chi an. Beim Tai Chi wird den Bewohnern des Seniorenhauses Moosheide die fernöstliche Körperarbeit durch eine zertifizierte Trainerin vom Gesundheits-Center JuDjuSu Jitsu Karate e.V. Mönchengladbach geduldig und humorvoll vorgemacht sowie mit einfühlsamen Anleitungen ergänzt. Da wo der Mensch nicht durchdringt, ist der Hund Schlüssel zum Herzen. Deswegen sind während der Aktivität therapeutisch ausgebildete Hunde anwesend, die andere Impulse setzen und insbesondere die Bewohner mit Demenz zur Bewegung motivieren können.

    Einige Menschen mit Demenz haben einen gesteigerten Bewegungsdrang. Wenn dieser nicht ausgelebt wird, kann dies zu Unruhezuständen und zu einer Steigerung der Desorientierung führen. Diesen Schwierigkeiten kann das Bewegungsangebot entgegenwirken und somit vereint die Kombination aus Sport und Tieren die Bedürfnisse unterschiedlicher Zielgruppen in einem Angebot.

    Viele der Übungen lassen eine ähnliche Abfolge erkennen und haben somit einen Wiedererkennungswert, was insbesondere bei Menschen mit Demenz die Zuversicht in die eigene Leistungsfähigkeit stärkt und Selbstbewusstsein generiert.

    Tai Chi (Karate in Zeitlupe) schließt jeden mit seinen individuellen Fähigkeiten ein, wobei das Ziel nicht in der perfekten Bewegung zu sehen ist. Das Ziel liegt in der Fähigkeit zur Freude, da der Spaß bei den Übungen im Sitzen nicht zu kurz kommt. Dabei bleibt offen, ob das herzhafte Lachen durch die Hundestars Lady oder Biana oder der Kampf mit den Schaumstoffnudeln ausgelöst wird.

    Einen schönen Artikel über die Aktivität Tai Chi finden Sie hier.

  • Das Projekt Hoppe hoppe Reiter stellt sich vor

    Hoppe hoppe Reiter - mit Demenz und heiter - wird das Pferd Begleiter - und der Besuch geht weiter.

     

    Das Projekt Hoppe hoppe Reiter stellt Menschen mit Demenz in den Mittelpunkt und vermittelt mithilfe von Tierinteraktionen ein wertvoller Mensch zu sein – auch mit Demenz. Denn Tiere urteilen, bewerten und kritisieren nicht und akzeptieren einen bedingungslos. Sie begegnen dem Menschen auf einer Ebene der Emotion und der sinnlichen Wahrnehmung.

    Bei dem Bauernhofprojekt werden die Bewohner des Seniorenhauses von jungen Ehrenamtlichen zum Schmittchenhof begleitet. Dort werden die Bewohner von Coco, Diddl, Henry und Co schon erwartet. Die Hände wandern zärtlich durch das Fell der Ponys, Apfel- und Möhrenstückchen werden den Eseln vorsichtig gereicht sowie die Mähnen sanft gebürstet, sodass die Zeit wie im Flug vergeht.

    Bei der Versorgung der Tiere erfährt man sich als kompetent, Ressourcen werden aktiviert und man ist mit einer sinnvollen Aufgabe betraut. Das Liebkosen lässt die Bewohner Geborgenheit und das Gefühl des Angenommen-Seins unabhängig Verhalten oder kognitiver Leistungsfähigkeit erfahren. 

    Neben der Förderung kognitiver und motorischer Fähigkeiten wird auch die Persönlichkeit des Bewohners gestärkt. Durch das Schwelgen in Erinnerungen werden schöne Momente vergangener Tage aktiviert, was einer Zeitreise gleicht.

    Ermöglicht wird das Projekt durch die Seniorenstelle Willich, der ein herzliches Dankeschön seitens der Bewohner gilt. Denn

    das Schwein, das grunzt - der Hund, der bellt, - was gibt es Schöneres auf der Welt.

    Ein Artikel und weitere Informationen über das Projekt erhalten Sie hier.

  • Tierischer Besuchsdienst im Seniorenhaus Moosheide
    DRK/C. Beier

    „Tiere sind die besten Freunde. Sie stellen keine Fragen und kritisieren nicht“ (Mark Twain).

    Wenn die Persönlichkeit „versinkt“ und ein erhöhter Abbau der für die Informationsweiterleitung wichtigen Nervenzellen im Gehirn existiert, brauchen wir besondere Wege, um in Kontakt mit Menschen mit Demenz zu treten.

    Die Begegnung auf der nonverbalen Ebene, das Vermitteln von Nähe sowie das vorurteilsfreie Aufsuchen macht sich Sally zu nutzen und ist daher ein tierischer Türöffner zu einer anderen Welt.

    Sally ist ein Collie-Mischling und hat in den vergangenen Monaten mit ihrem Frauchen die Ausbildung zum Besuchshunde-Begleitteam bei TherDog absolviert. Denn das Besuchsteam (Mensch als auch Hund) muss bestimmte Qualifikationen erkennen lassen, damit der Besuchsdienst Sinn macht, sicher angewendet werden und zu sichtbaren Erfolgen führen kann.

    Die Ausbildung, bei der der Mensch sich mit psychologischen Umweltreizen über die Mensch-Hund-Beziehung auseinandersetzt und der Hund an ungewöhnliche Umweltreize herangeführt wird, wird seitens der Glücksspirale vollständig finanziert.

    Jeder Besuch besteht aus einer ritualisierten Begrüßung als auch Verabschiedung und die ehrenamtlich kommende Hundebesitzerin entscheidet je nach Allgemeinzustand der Bewohner, ob feinmotorische Fähigkeiten aktiviert oder Erinnerungen wach gerufen werden sollen.

    Die strahlenden Augen oder die Kommentare der Bewohner veranschaulichen nach jedem Besuch, dass Tiere Bedürfnisse nach Nähe, Anerkennung, Kontakt und Sinnfindung erfüllen können.

    Vielen Dank an die Glücksspirale, dass unsere Bewohner das „(…) noch in ihrem Alter erleben dürfen.“

  • Demenzionen zu Gast

    „Die Bretter, die die Welt bedeuten“ – damit umschreibt der Volksmund das Theater. Und warum sollen Bewohner eines Seniorenhauses nicht an der Welt teilhaben und südliches Flair erfahren? Dies hat sich die Theatergruppe Demenzionen mit der „Reise in den Süden“ zum Ziel gemacht. Das aufsuchende Theater bezieht das Publikum aktiv mit ein und fordert daher das Publikum zum Tanzen als auch Singen auf – Lachen sowie Erinnerungen inklusive.

    Die kurzweilige Stunde hat das Gefühl der Sonne auf der Haut hinterlassen und konnte mithilfe der Unterstützung des Seniorenbeirates der Stadt Willich, dem Demenz-Servicezentrum Niederrhein und dem Projekt ‚Schützen helfen‘ realisiert werden.

    Ein Artikel der Rheinischen Post befindet sich hier.

  • Mittagstisch "Lucullus"

    „Essen hält Leib und Seele zusammen" lautet ein Sprichwort. Was aber, wenn ein Mensch plötzlich nicht mehr mit Besteck umzugehen weiß und das Hungergefühl nicht mehr als solches wahrnimmt? Essen wird da zur großen Herausforderung.

    Im DRK-Seniorenhaus Moosheide gibt es deshalb seit Juni 2016 den Mittagstisch „Lucullus.“ Es ist ein für die Bedürfnisse dementiell veränderter Bewohner konzipierter Mittagstisch, der alle Sinne anspricht und die Eigenständigkeit fördert:

    Fünf Bewohnern wird eine halbe Stunde vor Punkt Zwölf kommuniziert, dass bald Essenszeit ist. Auf die bevorstehende Mahlzeit wird mit Worten, altbekannten Liedern oder mit dem Riechen an mit Kräutern/Gewürzen gefüllten Duftsäckchen aufmerksam gemacht.

    Erinnerungen an vergangene Tage werden unter anderem durch hauswirtschaftliche Tätigkeiten geweckt. Daher wird der Tisch von einer Bewohnerin mit rotem Geschirr und personalisierten Tischsets, bestehend aus einem Foto und Namen der Person, gemütlich eingedeckt.

    Nach dem Eindecken nehmen alle dem Tisch beiwohnenden Personen gemeinsam ihren festen Sitzplatz ein. Bevor mit dem Essen begonnen wird, darf das Tischgebet nicht fehlen. Die Bewohner verlesen mit der Hilfe eines Holzgebetswürfels abwechselnd Tischgebete.

    Die Speisen werden in roten Schüsseln serviert, die von Person zu Person weitergereicht werden. Jeder tischt sich entsprechend seiner eigenen Vorlieben selbst auf.

    Der Mittagstisch befindet sich in einer ruhigen Ecke, welche mit alten Küchenutensilien dekoriert ist. So kann der Appetit angeregt werden und manch einer in Erinnerungen schwelgen. Der zeitliche Rahmen des Mittagessens umfasst auch daher die Zeit, die der Bewohner schlichtweg beim Speisen benötigt.

    Der Mittagstisch wird von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern begleitet. Dabei liegt die Aufgabe der begleitenden Personen lediglich darin, unsichtbare Helfer im Hintergrund zu sein.

    Wer sich gern als ein solch "hilfreicher Geist" engagieren möchte, kann sich melden bei Svenja Becker, Sozialkoordinatorin, Telefon: 02154 / 491-661, E-Mail: s.becker@drk-nordrhein.de

  • Intergenerationeller Austausch: Zweijähriges Ehrenamt im Seniorenhaus Moosheide

    Acht Schülerinnen und Schüler der Robert-Europa-Schule engagieren sich sich zwei Jahre land eherenamtlich im Seniorenhaus Moosheide. Das ist ein Resultat vieler positiv behafteter Besuche der Schüler im Seniorenhaus und wird erstmalig im Rahmen des Sozialdienstes der Gesamtschule, der als Vorbereitung auf das Leben zu sehen ist, angeboten.

    Um sich in die Situation älterer Menschen einfühlen und diese verstehen zu können, wird den Schülern als Vorbereitung auf das Ehrenamt Wissen vermittelt, wie beispielsweise über die Demenz oder den richtigen Umgang mit dem Rollstuhl. Die Erfahrungen im Ehrenamt tragen sicherlich dazu bei, auch schon in jungen Jahren die schönen Seiten des Alter(n)s wie Geselligkeit und Weisheit bewusst wahrzunehmen. 

  • Vorträge: Man kann nicht nicht kommunizieren

    Kommunikation umschließt nicht nur den bloßen Austausch von Informationen zwischen Personen. Denn mithilfe der Kommunikation kann man der eigenen Identität Ausdruck verleihen, Gefühle vermitteln und in Kontakt zu der Außenwelt treten. Sprache schafft somit Teilnahme.

    Eine Demenz wirkt sich unter anderem auf die Sprache aus, sodass bei der Kommunikation mit Menschen mit Demenz unterschiedliche Herausforderungen auftreten können. So kommt es beispielsweise zu Wortfindungsstörungen, gesprochene Sätze sind inhaltlich nicht nachvollziehbar (verworrener Satzbau) oder es werden nur einzelne Wörter verwendet. Berücksichtigt man aber einige Kommunikationsstrategien, ist eine Verständigung mit Menschen mit Demenz gut möglich. Denn man kann nicht nicht kommunizieren.

    Immer wieder stattfindende Vorträge für Angehörige und Interessierte veranschaulichen diese Kommunikationsstrategien an Beispielen aus dem Alltag.